Geschichte der Mühle

Die Heerser Mühle zählte einst zu den bedeutendsten lippischen Wassermühlen' Die Mühle zu Heerse wurde erstmals im Jahre 1358 erwähnt.  Am 18. November 1358 verpfändet der Knappe Bernhard Post an Dietrich Gose und seiner Ehefrau eine Kornernte aus seiner Mühle zu Heerse (Lipp. Regesten Nr. 1028 Anmerkung: Landesarchiv Urk. E XIII 6).

Die von Post waren Paderbornische Lehnsträger und sind im 14.  Jahrhundert mehrfach als Inhaber von Einkünften aus dem Amt Heerse überliefert. Die erste Erwähnung von Heerse geschieht im Jahre 1036, wo es als Vorwerk des Haupthofes Bexten erwähnt wird.  Im Jahre 1423 übergibt Friedrich von Calldorf dem Barthold zu Bexten und seinen Brüdern in Meierstatt einen Hof zu Heerse und die Mühle daselbst (Landesarchiv Ortsakte Schötmar XIII 1).

Die Mühle zu Heerse konnte danach im Jahre 1958 auf eine mindestens 600jährige - Vergangenheit zurückblicken. Aus alten Überlieferungen geht hervor, daß bis zu 1869 die Höfe im Amte Schötmar verpflichtet waren, ihr Korn in der Mühle zu Heerse mahlen zu lassen.  Nur große Höfe erhielten die Erlaubnis, sich eigene Kornmühlen anzulegen, wie der Amtsmeierhof in Bexten (1524), Volkhausen (1558), Papenhausen (1592), Brockschmiede (1610) und Stuckmann (1726).

Als Mühlenpächter im 18. bis 19. Jahrhundert sind die Familien von Offen und Redeker bekannt. Die Heerser Mühle wurde am 9. Mai 1925 durch ein verheerendes Schadenfeuer völlig zerstört.  Ein Idyll heimatlicher Mühlenromantik aus der Urgroßväter Tagen ging damit verloren. Ehemals Fürstenbesitz, befand sich die Heerser Mühle seit 1919 im Eigentum des Freistaates Lippe. 1921 wurde die Mühle zusammen mit der Domäne Heerse und dem Rittergut in das Stadtgebiet Schötmar eingemeindet. Im Jahre 1921 erfolgte die Neuverpachtung auf weitere zwölf Jahre an den langjährigen Mühlenpächter Fritz Bracht.  Weitere Mühlenpächter waren Familie Schlingheider (19261943), Familie Mönch (1 943-1972) und Erich Klocke bis 1984. Ein Teil der vorhandenen Stallungen und landwirtschaftlichen Flächen wurde bis 1988 von Friedrich Krieger genutzt und gepflegt. Heute ist die Heerser Mühle Umweltzentrum der Stadt Bad Salzuflen Lippe durch die Stadt Schötmar käuflich erworben, um die vorhandene Wasserkraft zur Stromerzeugung zu nutzen.

Im Februar 1927 wurde mit den Vorarbeiten zum Bau des Wasserkraftwerkes begonnen. Im Februar 1928 konnte die Anlage teilweise in Betrieb genommen werden. Am 1. April 1928 war die ganze Anlage fertiggestellt und betriebsbereit. Die bis zum 31. Dezember 1928 erzielte Leistung rechtfertigte voll und ganz, trotz der ungünstigen Wasserverhältnisse während des Sommers, die Voraussage, daß das Kraftwerk Heerse sich gut rentieren würde. Betriebstechnisch vollzog sich der Betrieb in der vorgesehener Weise. Das Gefälle der Wasserkraft betrug 3,90 m bei mindestens 2000 lit/sek. Zwei Franzis-Turbinen (77 und 47,5 PS) mit liegender Welle im Schacht trieben zwei Drehstrom-Synchron-Generatoren, die unter sich und mit dem Kraftwerk Hoffmann parallel arbeiteten.

Mit der Einführung der Elektrizität in Schötmar wurde das Gas als Lichtquelle völlig verdrängt. Die Straßenbeleuchtung wurde ebenfalls gänzlich elektrifiziert. Das neue Wasserkraftwerk Heerse bot eine bequeme Möglichkeit, die Straßenbeleuchtung in vollem Umfange während der ganzen Nacht in Betrieb zu lassen. Die städtische Stromversorgung wurde ein Wirtschaftsfaktor, der das kommunale Leben der Stadt Schötmar in günstigster Weise beeinflußte.

Seit 1928 hat das Kraftwerk Heerse mit einer durchschnittlichen Leistung von jährlich 350.000 kWh Schötmars Stromversorgung unterstützt.

Im Jahre 1963 wurde die Stadt Schötmar vor eine wichtige Entscheidung gestellt.  Die Maschinen des Kraftwerks Heerse ließen in ihren Leistungen nach und die hintere Wand des Gebäudes war abgesackt, so daß Einsturzgefahr bestand. Fachleute stellten Berechungen an und kamen dabei zu dem Schluß, daß, wenn das Gebäude teilweise abgebrochen wird, die Generatoren verlagert werden mußten. Ein erheblicher Kostenfaktor.  Aber eine Leistungserhöhung wäre dabei nicht erreicht worden. Die Frage, ob das Kraftwerk Heerse erhalten bleiben sollte oder nicht, wurde von den Stadtvätern im positiven Sinne entschieden, als sie dem Vorschlag des Ingenieurs Kühl folgten, die billige "weiße Kohle" auch in Zukunft zu nutzen. Die Kosten für die Sanierung des Kraftwerkes Heerse, einschließlich des Einbaues einer neuen Stromerzeugungsanlage wurde auf rund 130.000 DM veranschlagt.  Das Wirtschaftsministerium in Düsseldorf genehmigte das Vorhaben und "Wesertal" begrüßte, daß die Wasserkraft der Stromerzeugung erhalten bleiben sollte.  Durch den Einbau der neuen Stromerzeugungsanlage wurde die Leistung des Kraftwerkes von bisher etwa 350.000 kWh auf rund 500.000 kWh erhöht.  Das investierte Kapital war nach den Wirtschaftlichkeitsberechnungen gut angelegt! Im März 1965 wurde die neue Anlage in Betrieb genommen.

Nur wenige Jahre wurde Strom aus dem Kraftwerk Heerse in das Versorgungsnetz der Stadt eingespeist. Anfang der 70 Jahre wurde der Betrieb wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt, die Stromerzeugungsanlage demontiert und verkauft.

Am neuen Standort läuft die Turbine seit 30 Jahren zur vollen Zufriedenheit des Besitzers. Sie hat ihm sicherlich ein Zigfaches des Einkaufspreises eingebracht!

Anfang der 90-er Jahre hat eine Arbeitsgruppe des BUND e.V. versucht, die Wasserkraftanlage wieder in Betrieb zu nehmen. DM 750.000,- hatten BürgerInnen der Stadt und Interessenten aus der Umgebung bereits zusammengetragen. Die Stadt Bad Salzuflen hielt die damals mündlichen Zusagen nicht ein und ließ das Projekt scheitern.

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23 Februar, 2004